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Architektur & Integration

Kann VICIdial eine Telefonanlage ergänzen oder ersetzen? Und ist TAPI-Integration möglich?

Wer VICIdial einführt, steht meist vor zwei Fragen: „Nutzen wir es zusätzlich zur bestehenden Telefonanlage?“ oder „Kann es unsere Telefonanlage ersetzen?“ – und für Windows-Umgebungen kommt oft noch TAPI/CTI dazu („Click-to-Dial“, Anrufer-Popup, CRM-Anbindung).

VICIdial ist eine Contact-Center-Suite, die dafür entwickelt wurde, mit Asterisk als PBX zusammenzuarbeiten und darüber Inbound/Outbound-Contact-Center-Funktionen bereitzustellen. Das macht beide Betriebsmodelle möglich: Overlay (ergänzen) oder Standalone (ersetzen) – mit jeweils klaren Stärken.

1) VICIdial als Ergänzung zur Telefonanlage (Overlay) – wann das ideal ist

Typisches Setup

  • Deine bestehende PBX/Cloud-Telefonanlage bleibt für „Office-Telefonie“ zuständig (Nebenstellen, interne Durchwahlen, Konferenz etc.)
  • VICIdial übernimmt Contact-Center-Logik: IVR, Warteschlangen/ACD, Agent-Login, Supervisor, Reporting/Recording
  • Anbindung i. d. R. via SIP-Trunk/SIP-Routing (Calls werden für bestimmte Rufnummern/Hotlines an VICIdial geleitet)

Vorteile (praxisnah)

  • Schneller Nutzen ohne komplette Migration
  • Du bekommst Callcenter-Funktionen, während die bestehende Telefonanlage weiterläuft
  • Risiko und Umstellung für andere Abteilungen bleiben gering

Wann Overlay die beste Wahl ist

  • Du willst nur bestimmte Rufnummern (Support/Bestellannahme/Vertrieb) professionalisieren
  • Office-Telefonie soll bewusst getrennt bleiben
  • Du planst ein Pilotprojekt und willst später entscheiden

2) VICIdial als Ersatz / Standalone – wann es Sinn macht

Was „ersetzen“ in der Praxis heißt

VICIdial läuft mit Asterisk als Telefonie-Engine und kann damit direkt am SIP-Trunk betrieben werden. In einem Standalone-Setup übernimmt VICIdial dann die komplette Steuerung für die relevanten Rufnummern: IVR, Routing, Queues, Agenten, Recording und Reports.

Vorteile von Standalone

  • Eine zentrale Logik für Routing/KPIs (weniger Split-Brain zwischen PBX und Callcenter)
  • Sehr gut, wenn Contact Center der Kernprozess ist (Support/Bestellannahme/Outbound)
  • Klarer Betrieb für Hotline-Nummern (inkl. Callbacks und Kampagnenlogik)

Wann Standalone besonders passt

  • Du willst die Hotline als „Contact Center“ betreiben und maximal steuern/messen
  • Du skalierst stark (mehr Teams, mehr Nummern, mehr Remote-Agents)
  • Du willst möglichst konsistente KPIs und ein zentrales Monitoring

Praxis-Tipp: Viele Unternehmen fahren am besten mit „Office-PBX bleibt“ + „VICIdial für Hotline“. Standalone lohnt sich vor allem, wenn VICIdial wirklich die zentrale Kommunikationsplattform für den Kundenkontakt sein soll.

3) TAPI-Integration: Möglich – aber meist nicht „nativ“, sondern über Asterisk/CTI

Was TAPI ist (kurz): TAPI ist eine Windows-CTI-Schnittstelle, mit der Programme (z. B. CRM/Outlook) Telefonie-Funktionen steuern können. Dafür braucht es typischerweise einen TAPI Service Provider (TSP).

Hat VICIdial eine direkte TAPI-Schnittstelle?

VICIdial selbst ist primär webbasiert (Agent-Screen + APIs) und bringt eher Web-/HTTP-APIs mit (z. B. Agent API / Non-Agent API), die für Integrationen gedacht sind.

Wie TAPI in VICIdial-Umgebungen typischerweise umgesetzt wird

Da VICIdial auf Asterisk aufsetzt, wird TAPI meistens gegen Asterisk realisiert – über einen TSP/TAPI-Treiber, der sich z. B. an das Asterisk Manager Interface (AMI) hängt (je nach Produkt). Ein Beispiel: TAPI-Treiber für Asterisk, die sich direkt zur „manager interface“ verbinden.

Gängige Wege:

  • TAPI über Asterisk-TSP (für Windows/CRM/Outlook): z. B. kommerzielle TAPI-Treiber für Asterisk (Click-to-Dial, Call-Events).
  • Open-Source-Ansatz: z. B. AstTapi als Open-Source Asterisk-TAPI-Driver (Projektstand beachten).

Statt TAPI: VICIdial APIs/Screen-Pop/Webhooks (häufig moderner)

Für Web-CRMs oder Helpdesks ist ein API-basierter Ansatz oft robuster als klassische TAPI-Installationen. VICIdial stellt hierfür Dokumentationen/APIs bereit.

TAPI sinnvoll, wenn:

  • du ein Windows-lastiges Umfeld hast und ein CRM explizit TAPI erwartet
  • du primär Click-to-Dial und einfache Anrufereignisse brauchst

Eher nicht optimal, wenn:

  • du tiefere Contact-Center-Logik integrieren willst (Queues, Agent-Status, Disposition, Recording-Links)
  • → hier sind VICIdial-APIs / CTI via Web meist zielführender

4) Empfehlung: Entscheidungscheck (kurz & praktisch)

Ergänzen (Overlay), wenn…

  • Office-Telefonie bleiben soll
  • du schnell Callcenter-Funktionen für bestimmte Hotlines brauchst
  • du TAPI über die bestehende PBX schon im Einsatz hast (und sie weiter nutzen willst)

Ersetzen (Standalone), wenn…

  • Hotline/Contact Center im Mittelpunkt steht
  • du zentrale KPI-Steuerung und klare Routinghoheit willst
  • du stark skalierst (auch Remote)

TAPI ja/nein?

  • TAPI ja, wenn dein CRM nur damit „sauber“ kann
  • TAPI optional, wenn du ohnehin webbasierte Integrationen nutzt (APIs/Screen-Pop)

FAQ

Kann VICIdial eine Telefonanlage ersetzen?

Für Hotline-/Contact-Center-Use-Cases ja: VICIdial arbeitet mit Asterisk als PBX und kann direkt am SIP-Trunk betrieben werden.

Kann VICIdial eine bestehende Telefonanlage ergänzen?

Ja. Häufig wird VICIdial als Callcenter-Layer genutzt, während die bestehende PBX für Office-Telefonie weiterläuft.

Ist TAPI-Integration mit VICIdial möglich?

Oft indirekt über Asterisk (z. B. via TAPI-Treiber/TSP, die sich an Asterisk anbinden).

Gibt es native VICIdial-APIs für Integrationen?

Ja, VICIdial dokumentiert APIs (u. a. Agent API / Non-Agent API), die für Integrationen genutzt werden können.

Kurz-Check (30 Min): Overlay vs. Standalone + Integrationsweg

Du bekommst eine Empfehlung, wie du VICIdial in deine Telefonie einbindest (SIP-Design, Rufnummernfluss, Queue-Konzept) und welche CTI-Variante (TAPI/CRM/API) am besten passt.